NEWS / 01.12.2010

zurück
Gewaltakt auf dem Filmset

Am Mittwoch, 1. Dezember 2010, wurde Vann Steinbach, der Regisseur des Spielfilms über die lateinamerikanische Einwanderung nach Spanien, und seine Regieassistentin, Evelyn García, auf dem Set vom Freund einer kolumbianisch-spanischen Schauspielerin tätlich angegriffen.

In der vorangegangenen Nacht beendeten Steinbach und García die künstlerische Zusammenarbeit mit der Schauspielerin, da sie zahlreiche der in einem von ihr unterzeichneten Abkommen festgesetzten Auflagen zur reibungslosen Durchführung der Dreharbeiten nicht erfüllte. Anstatt am Morgen des 1. Dezembers nach Madrid zurückzukehren, erschien sie am Nachmittag desselben Tages mit ihrem Partner auf dem Set, der Aula Magna der Naturwissenschaftlichen und Chemischen Fakultät der Universität Salamanca.

Dieser Mann, der laut Zeugenaussagen bei einem privaten Sicherheitsdienst arbeitet und die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, legte dem Regisseur ein Schriftstück vor und wies ihn an, dieses zu unterzeichnen, ohne Steinbach jedoch Zeit zu lassen, das Dokument in Ruhe durchzulesen. Auf die Weigerung Steinbachs, seine Unterschrift auf das Papier zu setzen, verpasste ihm der Mann einen Fausthieb ins Gesicht, sprang auf ihn, machte ihn bewegungsunfähig und begann, auf ihn einzuprügeln. Evelyn García versuchte, Steinbach Beistand zu leisten, erhielt jedoch ebenfalls einen Schlag des Mannes, der sie gegen die Wand schleuderte, woraufhin die Schauspielerin sich einschaltete und ebenfalls García angriff, in die Hand biss, im Gesicht kratzte und ihr ganze Haarbüschel ausriss.

Nach einigen Minuten des Kampfes gelang es Steinbach und García zu flüchten und in der Pförtnerloge Schutz zu suchen. Die Schauspielerin und ihr Gefährte folgten den beiden und beschimpften sie lautstark in der Eingangshalle der Fakultät, ehe sie das Gebäude verließen und Steinbachs Brille sowie Garcías Handtasche raubten.

Hervorzuheben ist die Tatsache, dass der Vorfall zufälligerweise große Ähnlichkeit mit einer der erzählerischen Hauptlinien des Filmes aufweist: Laut Drehbuch hätte die entlassene Schauspielerin eine kolumbianische Immigrantin verkörpern sollen, die ihrem eigenen Ehemann einen Hinterhalt legt, um gewisse Vorteile in Europa zu erlangen. Eben diese fiktive Episode wiederholte sich in der Realität: Wohl um ihr verletztes künstlerisches Ego zu rächen, stiftete die Schauspielerin ihren Freund an, um ihre Rechnung mit dem Regisseur auf gewalttätige Weise zu begleichen. Offensichtlich übersah die junge Frau jedoch, dass sie dadurch dem Ansehen ihres Partners, der bis dato mit der Angelegenheit überhaupt nichts zu tun hatte, schaden und ihn in einen schwerwiegenden Konflikt mit der Justiz befördern würde.

Paradoxerweise ist es das zentrale moralisch-ethische Anliegen des Filmes, fremdenfeindlich-rassistische Ablehnung, Vorurteile, Stereotypen sowie Gewalt und physische Aggression gegen ausländische Minderheiten in der modernen Gesellschaft anzuprangern. Dieser unerwartete, abstoßende und in keinster Weise entschuldbare Gewaltakt bekräftigt die Anstrengungen von Illusomnia Productions, das in Angriff genommene Filmprojekt zu vollenden, um für die Durchsetzung der Menschenrechte zu kämpfen und diskriminatorische Praktiken, denen die Migrantenbevölkerung ausgesetzt ist, vor die Öffentlichkeit zu bringen.

Lesen Sie hier die Zeitungsartikel zum Gewaltakt (auf Spanisch)

zurück